Eine 6-monatige Reise durch die USA im Jahre 2000
Der Untertitel USA 2000 enthält Auszüge aus meinem ausführlichen Reisetagebuch durch
26 Staaten von der Ostküste zur Westküste und zurück. Die Schilderungen von 200 Tagen, inklusive der zwei Schiffsreisen, umfassen ausgedruckt 299
Seiten im Format DIN A4.
26 Jahre später will ich versuchen, die prägnanten Momente von persönlichen Begegnungen und besondere Eindrücke aus der Natur
zu verdichten.
Ich hoffe, es gelingt dabei möglichst parallel im Ablauf der damaligen Jahreszeit zu bleiben.
DIE VORGESCHICHTE
1989 brach nicht nur die DDR zusammen. Auch für mich standen große
Veränderungen an. Am 15. Mai hatte ich mit meiner Frau Sabine unser wieder aufgestelltes Fachwerkhaus auf einem Hof in Langenhausen bezogen. Ein Ort im Teufelsmoor, 35 km östlich Bremerhaven, 25
km nördlich Worpswede.
Im Sommer gelang es mir den Großauftrag für die gesamte Werbung der Landesausstellung "Natur im Städtebau, Bremervörde 1991" an Land zu
ziehen. Am 13. September brannte das alte, aber auch gerade frisch bezogene
Bauernhaus unserer Freunde, auf der gleichen Hofstelle, bis auf die Grundmauern nieder.
1991, die Freunde hatten sich getrennt und waren weggezogen, auch ich war geschieden. Aus dem Großauftrag
war ein Schadenersatzprozess gegen die Stadt Bremervörde (LNS GmbH) wegen Nichterfüllung des Vertrages geworden. So saß ich denn allein auf dem Hof und machte Pläne
für die Zukunft: Wenn dieser Prozess durch-gestanden ist, wollte ich eine lange Reise außerhalb Europas machen.
1999 hatte ich zwar nach sechs Verhandlungen (fast 9 Jahren!) den Prozeß gewonnen, dafür aber Haus und Hof drangesetzt, und
lebte inzwischen in Berlin, wo ich mir im Umland ein neues, kleineres Plätzchen suchen wollte.
Da ich in den Jahren zuvor viele Kontakte mit Chiefs der First Nation hatte (Sun Bear, Manitonquat, Archie Fire Lame Deer, Art Reade u.a.), war meine Entscheidung für die Reise auf die USA gefallen. Zwischendrin, 1995, bekam ich auf einer Party die Empfehlung für das Buch Blue Highways von William Least Heat-Moon (Suhrkamp, tb 1621).
Er schildert seine Rundreise 1976, wie auch sie mir vorschwebte. Vielleicht mit dem Aufsuchen einiger seiner von ihm beschriebenen Plätze. Allerdings war mir klar,
dass ich als Fremder auf mehrere Schwierigkeiten stoßen würde. Ich würde noch kleinere Landstraßen befahren wollen, die Route von Tag zu Tag planen.
Im August 1999 begann ich mit den Vorbereitungen. Da ich von 1964 bis 1967 auf einer Werft in Hamburg Tischler gelernt hatte, war es für mich
klar, mit einem Frachter über den Teich schippern zu müssen.
Der Titel des Tagebuchs MY FATHER'S EYES hat mehrere Gründe. Zum einem ist es der Titel von der CD PILGRIM, von Eric Clapton.
Zum anderen hatte ich eine von meinem Vater geerbte *Leica M5 im Gepäck. Schon mit etwa vier Jahren saß ich mit ihm in seiner Dunkelkammer um schwarz-weiß Abzüge zu entwickeln. Von ihm
habe ich gelernt Photographieren (mit 2 Ph!) als inneren Vorgang zu betrachten. Und, wenn es ein Ziel der Reise geben sollte, dann Antworten auf die Frage, wie weit fallen innere und äußere
Eindrücke zusammen? Bei Clapton heißt es in der letzten Strophe."... HE was within me".
(Ich habe täglich fast eine Stunde Tagebuch geschrieben. Ungehobelte Sätze sind zu entschuldigen. Aus meinen "Notes" sind noch Informationen
über Land und Leute eingeflossen, die ich in öffentlichen Einrichtungen, Museen und am Wegrand an "Historical Markern" gefunden habe.) *** DTA
Meine Route durch 26 Staaten
und 28172 gefahrenen Kilometern
19.01.2026
Im August 1999 habe ich meine Fracht-schiffreise in die USA gebucht. Mir war klar, dass auch die damaligen Containerschiffe auf ihren weltweit festgelegten Frachtrouten nicht wie nach einem Busfahrplan in die vielen Häfen ein- und wieder auslaufen.
Nicht jede Reederei bietet diese Reisen an, obwohl jedes Frachtschiff Kabinen zur Mit-nahme von Passagieren hat. Meistens sind
es Angehörige der Schiffsbesatzungen, oder Reedereimitarbeiter, seltener Frachtbegleiter. Eine Reise aus meiner Heimat- und Hafen-stadt Hamburg gab's zu der Zeit nicht. Ziel-hafen wurde Savannah, Georgia.
DIE ÜBERFAHRT
Freitag, 28. April 1. Abend an Bord,
Bremerhaven
20 Uhr bin ich auf der CHOYANG PHOENIX. Der schwere Teil meines Gepäcks wird von kleinen, aber drahtigen
Philip-pinos in den „vierten Stock“ gewuchtet, das D-Deck. Die einzige freie Kabine war die Eignerkabine, mit Wohnraum, Schlafzimmer und WC/Dusche. Die
Wände bestehen aus Palisander Plastikpaneelen. Die Auslegeware ist ein richtig dicker Velours in Aubergine und pink. Die Möbel, bezogen im gleichen Ton,
sind aus Teakholz. Drei kleine Fenster geben den Blick auf die Container-Landschaft frei. Wohnfläche ca. 5,5 x 4,5 m, und 4,5 x 2,5 m, genug Platz für die nächsten 14
Tage.
Samstag, 29. April II. Bordtag
Mit mir sind wir 6 Paxe. Aus der Schweiz die gemischte Familie Baker mit Zwillingen 7 Monate alt, sie sind nicht glücklich
mit Herrn Palmer aus Phoenix Arizona in der Messe an einem Tisch zu sitzen. Mr. Palmer, 70+, ist auch nicht glück-lich, denn seine junge, künstlich schwangere Frau ist vor drei Monaten
bei einem Autounfall ums Leben gekommen und er hat sich vor der Flut von Mitleid für die Komplettreise ab San Diego auf das Schiff zurückgezogen.
Mr. Palmer ist Multimilliadär, hat seine eigene Funkanlage
im Radioraum an Bord. Damit hat er sich gerade eine Yacht für
6,5 Millionen Dollar in den USA bestellt.
14:06 Leinen los. Ich verbringe den Rest des Tages auf der Brücke, die immer frei zugänglich ist.
Sonntag, 30. April - 1. Mai, Montag III. & IV. Rotterdam
9:00. Master Kirchhof lässt die Anker lichten und die Phoenix schiebt sich nach vorn, durch die anderen Schiffe, die auf Reede liegen. Gegen Mittag sind wir am Kai. Das Schiff
während des Verladens zu verlassen ist nicht möglich.
Dafür am 1. Mai. Ein paar Einkäufe im Hafenkiosk. Mittags von Rotterdam über die Maas zurück in die Nordsee. Die lange Runde gelaufen, 500 Meter immer entlang der Reling. Nachts im
Ärmelkanal auf der Brücke; das Schiffsgewimmel mit Fern-glas und auf dem Radarschirm verfolgt.
Dienstag, 02. Mai V. Tag an Bord
Le Havre
Am Morgen manövriert ein Lotse das Schiff ins Bassin Osaka. Master Kirchhof und Chief-Ing. Meyer und ich frühstücken
heute allein in der Messe. Wegen der Tide werden wir erst morgen um 6:oo auslaufen. Verabredung um 11 Uhr zum Landgang. Der französische Agent kommt mittags mit zwei Stunden Verspätung.
Le Havre City. Einkauf, eine Stange Gitanes Mais. Lese Blue Highways und Theo’s Reise (zu den Religionen der Welt).
Nachts die erste Zeitumstellung -1 MESZ.
Mittwoch, 03. Mai VI.
Der schönste Platz ist vorn im Bug, wenn sich der achterne Wind mit der Reisegeschwindigkeit von rund 33 km/h aufhebt. Schön ist es auch auf dem hinteren Arbeitsdeck, wenn die Wellen nur drei
Meter unter einem vorbeirauschen.
Donnerstag, 04. Mai VII.
Ing. Meyer macht Motorenkunde in seiner Kabine, weil es am Ungetüm zu laut ist. Dann steigen wir hinab. Für Interessierte: Acht-Zylinder, 70 cm Ø, 2,2 m Hub bringen 35.000 PS auf
eine Welle mit 93 U/min. Der Propeller hat einen Durchmesser von 8,6 m und eine Steigung von 1:8, das heißt, jede Umdrehung bringt uns rund 8 Meter voran.
Master Kirchhof übergibt mir ein Geschenk von Mr. Palmer, ein brandneues Garmin-GPS mit installierter USA-Karte.
Freitag, 5. Mai
VIII.
Tags auf der Brücke. Keine besonderen Vorkommnisse. Im Bug ist nicht nur das zweimalige Abblasen eines Wales eine Schiffs-länge voraus beeindruckend, es ist die andauernd wechselnde Stimmung
zwischen Wasser und Himmel.
Samstag, 06. Mai IX.
-3h MESZ. Das Barometer fällt, Sturm Windstärke 5 kündigt sich an. Schneller Gang in den Bug, acht Delphine ziehen kurz mit der Phoenix mit. Über das achterne Arbeitsdeck schiebt sich
gelegentlich ein knöcheltiefer Wasserfilm. Das seitliche Rollen, beidseitig ca. 10° empfinde ich als sehr angenehm. Kirchhof leiht mir ein Orkan-Video von der letzten Reise im Pacific, bei der
sie 28 Container verloren haben. Kränkung +/- 35°! Wie ich mich wohl (unwohl?) dabei gefühlt hätte?
Sonntag, 7. Mai X.
Auf der Brücke; große Vögel begleiten die Phoenix knapp über den Wellen. Plaudereien mit der Baker-Family. Nachmittags eine
Alarmübung: Mit Schwimmweste und Helm, Treffpunkt am Backbord Rettungsboot. Die Hydraulik der Steuerung ist abgestellt. Vier Philippinos kurbeln fleissig von Hand. Wir fahren nach Winkelkompass
und Funk von der Brücke. Später von dort die Kurven der aufgeschäumten Kiellinie im Atlantik entschwinden gesehen. Abends Plaudereien in meiner Kabine
mit Meyer und Kirchhof, der mir durch den Hafenagenten helfen will ein günstigen Van und ebensolches Motel zu finden.
Montag, 8. Mai XI.
Entfernung New York 1460 km. Tages-Etmal Ø 840 km.
Das Barometer fällt wieder. Die Dünung ist in der Phoenix deutlich spürbar. -5h MESZ.
Dienstag, 09. Mai XII.
Die Küste kommt näher. Ein 20-köpfiges Möwenballett umtanzt die Aufbauten fast ohne jeden Flügelschlag.
Mittwoch, 10. Mai XIII.
New Jersey
02 Uhr auf der Brücke, Land in Sicht. 03 Uhr Lotsenübernahme am Rockaway Point. 05 Uhr wölbt sich über uns die Varranza-Narrow-Bridge und schon eine halbe Stunde später liegen wir am Pier von
Jersey City mit Blick auf die Tin-Pan-Elly und im Hintergrund die Zwillingstürme vom World Trade Center. Mittags hat Mr. Palmer die Phoenix überraschend verlassen. Sein Privatflieger bringt ihn
nach Phoenix, AZ. Für mich erster
Visa-Check und kurzer Landgang in Jersey City.
Blick auf eine der Steuer-ketten von 8 Zylindern der Maschine bei der Wartung.
1 Zylinder bekommt in New Jersey einen neuen Kolben.
Donnerstag, 11. Mai XIV.
02:30 Leinen los. Der Tag mit strahlend blauem Himmel. Schon um 23:15 am nächsten Pier in Norfolk, VA.
Freitag, 12. Mai XV.
12:55 Aufbruch zur letzten Etappe. Ein langes Gespräch mit Mr. Baker auf der Brücke über die USA. Nachts läuft an Bord meine letzte Waschmaschine und der Trockner.
Samstag, 13. Mai XVI.
Savannah
Abrechnung mit Master Kirchhof, der zeigt mir sein Geschenk von Mr. Palmer, eine Videoausrüstung für 8.000 $. Außerdem
bietet er mir an, anstelle von Mr. Palmer, dessen Reise durch den Panamakanal nach San Diego und weiter die große Schleife über den Pacific nach Japan/China und zurück nach San Diego umsonst
anzutreten. Das bringt mich für 24 Stunden in große Zweifel, entscheide mich aber dagegen.
Am Abend erreichen wir Savannah. Mein Immigration-Visa wird von einem unsicher wirkenden, riesigen Schwarzen gecheckt. Ich darf noch
einmal an Bord übernachten.
Sonntag, 14. Mai
Savannah, GA
07:45 Klopfen an der Kabinentür. Eine schnelle Dusche.
Landgang: Zwei Philippinos bringen mein Gepäck zum Kai, wo ein absolut muffiger Agent, Mr. (Scheiß-)Preiss auf mich wartet. Ohne jeden Wortwechsel setzt er mich auf halbem Wege zur City im Alamo Plaza Motel ab. Dort empfängt mich der sehr freundliche US-Ami Frank (Geboren in Frankfurt/Main, jetzt ca. 35). Für drei Nächte zahle ich 106 $ für Room 111. Nach einem längeren Nap laufe ich 1,5 mi in die City zum River Walk. Später 500 Meter in die vom Motel andere Richtung, zu einem Imbiss mit guten Shrimps, Chips und Salat. Wie viele Weiße wohl dort bei den schwarzen Besitzern einkehren?
Montag, 15. Mai
Savannah, GA
Taxi to City. 10 Uhr am Fahrradverleih, um an den Stadtrand zu den Autohändlern zu radeln; der erste spricht Hessisch, der zweite bemüht sich, der dritte, Mr. Chad Hinton bietet mir
einen Pkw Chevy Lumina, 127450 mi, listet price used 4.500 $ zu only 3.000 $ an. Mittwoch will ich mich entscheiden.
Dienstag, 16. Mai
Savannah, GA
Morgens zwei private schrottige Autokontakte. Mittags gebe ich das Fahrrad zurück. Nette Zeit in der City, sitze vermeintlich auf der Bank auf der Forrest Gump seine Geschichte erzählt.
Laufe zum Motel zurück. Am Abend wird mir ein vollgemüllter Ford Van aus einer Annonce angeboten. Nein Danke.
Mittwoch, 17. Mai
Savannah, GA
9°° Mr. Hinton angerufen, ich schlage zu. Er holt mich um
11 Uhr ab. 8805 Abercornstreet. Bis Morgen hat er alle Papiere (Title, Tax, Insurance) und die Schilder. Mit dem Händlerschild kann ich problemlos zum Einkaufen abfahren. Dann in die City und nach einer Einkehr mit Austern & Wein sowie Hamburger & Guinness zum Motel.
Georgia Mai
18.-23.
Einkäufe im Außenbereich der Abercorn Street: Zelt und Campingausrüstung, Plastikboxen, Leatherman und eine kleine Maglight, Lebensmittel etc. Um 16 Uhr schraubt Chad das
Nummernschild »473 TJF, Chatman County« ans Heck; über die kleinen Sticker Georgia/Sep und Georgia/2000 wundere ich mich zwar, frage aber nicht nach deren Bedeutung; Sep ist ja noch sehr lang
hin. Mit 45 $ in Gutscheinen plus 4 $ extra fülle ich den Tank. Jede Gallone (3,79 l) zu 1,42 $, der Liter < 0,5 DM. Nach Egypt (HW-21) stelle ich den Wagen im Waldsaum ab,
fülle den Zwischenraum hinter den Vordersitzen mit Gepäck und habe dort eine gute Nacht. Morgens am
19. bekommt der Chevy seine Taufe – nach seiner Farbe: Golden Horse. Ich reite weiter Nord-West. Es werden zwei Zeltnächte im Hard Labors Creek St.P. bei Rutledge. 20. Reifenpanne, 5 $ für Schraube ziehen und Vulkani-sation. Sonntag 21. Eine kleine Rundfahrt durch eine Landschaft wie Schleswig-Holstein, die Kirchendichte vielfach höher. Heftiges nächtliches Gewitter.
22/23. Zum nächsten Zeltplatz im Fort Mountain St.P. bei Chatsworth.
Tennessee
Mai 24. - 31.
24. Heute überquere ich den Tennessee River und bin im nächsten State gleichen Namens. Zeitumstellung -1. Übernachte
am Edgar Evans St.P. am Center Hill Lake. 25. Wie vor. 26. Es ist ein Tag mit reichlich Regen, als ich durch viel Wald, auf einer Hügelkette und der
sich dahinschlängelnden Nebenstraße nach Nameless komme. Die Fenster des ehemaligen Hauses von Familie Watts sind zugehängt. Ob noch jemand aus der Familie lebt, der Heat-Moon
ein Kapitel widmet, will ich nicht wirklich wissen, denn auf einer neueren Bank davor steht ein Schild: “THE WAGES OF SIN IS DEATH. Es regnet immer noch.
Aus Blue Highways von William Least
Heat-Moon, Seite 59.
Er schildert seine liebevolle Begegnung mit den Watts im 16. Kapitel. Seiten 55-61. Suhrkamp tb 1621.
Zunächst cruise ich noch weiter durch die Gegend. Am Abend möchte ich endlich mal „privat“ schlafen. Auf dem HW-56N verspreche ich mir etwas, als ich das Schild „NEWBERRY & SONS – CHAIRS“ lese und ein grünes Stück Rasen sehe … vom Tischler zu Stühlen? Die Frau verweist mich auf drei Männer, die mit ihren Köpfen tief unter der Motorhaube eines Traktors stecken. Auf meine Zeltplatzfrage, schlägt der Sohn, wegen des Regens, seinen unaufgeräumten Wohnwagen vor, die Tochter, als jüngste, hat noch einen anderen Tipp; ein altes Siedlerhaus, an dem ich schon vorbeigekommen war. Ich werde ein Stück begleitet.
Der Hausschlüssel liegt wie versprochen unter der Fußmatte.
So sitze ich, einem alten Siedler gleich, auf der überdachten Veranda und nehme ein bescheidenes Mahl zu mir. Später, nach einem Gewitterguss, kann ich nah und fern im Tal Myriaden von umherfliegenden, in verschiedenen Farben blinkenden Leuchtkäfern zusehen. Mit diesen Eindrücken wird es eine wunderbare Nacht in einem Metall-Bettgestell, auf einer alten Matratze, auf der ich zusätzlich mein Lager aufgebaut habe.
Da ich mich zu jeder Gelegenheit auf unbekanntem Terrain bewegen würde, hatte ich mir 200 bunte Visitenkarten, mit einem Wolkenhimmel als Hintergrund, drucken lassen. Davon steckten immer 3-4 irgendwo sofort griffbereit, meistens in der Brusttasche vom Hemd.
Tennessee, Kentucky, Indiana und Illinois Mai 27.
Den ersten Ort umfahre ich, Name: Difficult. In Scottsville bin ich schon in Kentucky. Hier schleiche ich lange hinter einem Begräbniszug her, den man nicht überholt. Als ich mittags den Ohio überquere bin ich in Indiana. Die Namen Tell City, Fulda und auch St. Meinrad liegen in einer lieblichen Almlandschaft. Danach beschleunige ich auf der I-64W und kreuze 70 Meilen später den Wabash nach Illinois. Als die Dämmerung einsetzt darf ich mein Zelt in einen windigen Vorgarten stellen.
Illinois, Missouri Memorial Day, Mai Sonntag, 28.
Nachmittags fahre ich durch Bremen. Die letzte Stadt vor dem Fluß und dem State Missouri ist Chester, bekannt durch Popeye. Auf der Westseite vom Fluß ändert sich die Landschaft wieder ein wenig. In einem Wald werkelt ein muffiges Pärchen an ihrer Hütte, die empfehlen mir es zur Übernachtung im Whispering Winds Bible Camp zu versuchen. Ein fantastisch schöner Platz. Auf meine Frage, ein Zelt für eine Nacht an den Rand des Geländes stellen zu dürfen, werde ich mit einem sehr unchristlichen Befehlston abgewiesen. Gegen Abend erreiche ich den Meramac Spring Park, in dem ich übernachte.
Missouri 2. Memorial Day Mai 29.
Am Tage habe ich Kontakt mit verschiedenen Campern und der aufgeschlossenen Platzwartfamilie. Gegen Abend fahre ich noch zu einem Quellgrund im weitläufigen Park und an den Fluß Meramac.
Missouri Mai 30.
Meine Richtung wechselt wieder auf Nord-West, kreuze die alte Route 66 und halte auf Columbia zu. Dort an der Uni (MU) will ich nach Spuren von William L. Heat-Moon Ausschau halten. Mehr als in einer Library in seinem neueren Buch Prairy Earth über Chase County, KA, zu lesen gelingt mir nicht. Die Landschaft verändert sich langsam in den mittleren Westen mit seiner weiten Graslandschaft. Zum Übernachten baue ich mein Zelt im Knob Noster St.P. auf.
Missouri, Kansas Mai 31.
Das Büro ist bei meiner Abfahrt leer, so wird es mit warmer Dusche eine 0-$ Nacht. Der Verkehr auf dem HW-50W verdich-tet sich, weil ich mich auf Kansas City zubewege. Aber ich halte südlichen Abstand und fahre bald nach der Staatsgrenze in das Zentrum von Olathe. In einem BookMart schaue ich in einen Stadtplan, um die Heimstatt von Garmin Corp. zu finden. Ich hatte bisher vergeblich nach einem 12V Ladekabel gesucht, da mir das GPS III den Saft in enormer Geschwindigkeit aus den Batterien zieht. Ich werde freundlich bedient und bekomme das Ladekabel geschenkt. Ab jetzt kann ich meine Route ganz neu festlegen. Ein guter Name Süd-West in 120 mi ist Strong City. Das Zentrum ist die erste typische Western-Stadt, eine Straßen-kreuzung bestehend im wesentlichen aus einem eingeschoßigen Backsteinhaus und einer Baptist Church. Ich nehme mir die Zeit, um in einer Bar/Bier und einem Cafe/Coke, die Country-side in Flanellhemden zu erleben. Dann fahre ich 1,5 mi nach Cottonwood Falls. Am Fluß ist ein Motel mit Campground ausgeschildert. Für zweites zahle ich bei den alten Herrschaften 5 $. Um mich herum Leere und mehr Altertum. Original-Text: »Der Gatte zeigt mir die Restrooms. Zwei Plumpsklohäuschen unter mächtigen Eichen, sicher seit Jahren nicht benutzt. „His“ schräg abgesackt und voll mit Spinnweben. Ich werde „Hers“ benutzen. Meine Bollen fallen in einen Betonring, aber nichts plumpst, alles wird von dichten Spinnweben abgefangen.«
Nach meinem Geschäft gehe ich zum alten Wehr am Fluss. Dort komme ich in ein langes, nettes Gespräch mit zwei älteren Anglern. Leider ist der gesprächigere nicht so gut zu verstehen, da sein Gebiss große Lücken aufweist. Als es Nacht wird, liege ich im Zelt, denke an die vergangenen Tage und genieße das ferne Rauschen vom Fluss und den Wind in den mächtigen Cottonwoodbäumen über mir.
Am Rande: Besuche in Städten lagen nicht in meinem Interesse. Als Alleinreisender habe ich den Nachteil, die geballten Eindrücke einer Stadt ziemlich schnell mit jemanden teilen zu wollen, den jemanden gab es aber nicht. Meinen Vorteil sah ich in der vorbeiziehenden Landschaft, in der Natur; sobald mich etwas anzieht, muss ich keine Rücksprache nehmen, weder über den Ort noch über die Dauer der Unterbrechung. Zum Ende der Reise könnte New Orleans mein Interesse wecken. Schon in Missouri hatte ich meine schönste Reisegeschwindigkeit von 30 bis
35 mph gefunden, so um die 50 kmh. Eher noch weniger, wenn es die Augen–Blicke in die Landschaft ergaben.
JUNI – DER MITTLERE WESTEN
KANSAS: Ich bin in den Weiten des Mittleren Westens angekommen. Zunächst suche ich mir eine Strecke aus, die mich weiter nach Süden führt,
um dann durch Oklahoma in einer fast geraden Linie nach Westen zu fahren.
Dort liegt mein im Visaantrag angegebener Fixpunkt, das Foxfire Institut, etwas außerhalb von Cortez, CO. Eine Kleinstadt in der Four Corners Area mit den Staaten: Colorado, New. Mexico, Arizona und Utah. Es ist der passende Drehpunkt für meine Reise, die einer liegenden ∞ ähnelt. Wobei ich die Staaten des hohen Nord-Ostens nicht berührt habe. Siehe Karte oben.
<Auszug aus dem Rand McNally Road Atlas von 1994, den mir ein Bekannter vor meiner Reise schenkte. Trotz seines fortgeschrittenen Alters von sechs Jahren ein wirklich gutes Kartenwerk. Meine Route ist mit Markern in pink oder hellgrün eingezeichnet. N steht für Übernachtungen.
Foto unten: Dirt Road in Chase County.
On the Road, Kansas
Juni 1.
Schon am Morgen sind es 26°C. Die Angler sind wieder da, einer kommt zu mir herüber, »um sich per Handschlag von mir mit folgenden
Worten zu verabschieden: „Ich habe es gern mit COMMON PEOPLE zu plaudern. Ich wünsche Dir eine gesegnete Reise.“ < Original Tagebuch OT. Common People ehrt mich.
Nach einer weiteren Runde durch Cottonwood Falls verlasse ich den Ort auf auf der CR-177 gen Süden. Die Weite, die Weite. Ich halte oft, nach vier Stunden Fahrt bin ich nur
35 Meilen weiter. Ich entschließe mich, die Reise auf eine Dirt Road (immer von Sand bis Schotter) zu verlassen. Bald lege ich die nächste Pause am Wegrand ein. Die Postfrau hält für eine kurze
Plauderei, bevor sie am Horizont verschwindet. Golden Horse nimmt die Farbe der Dirt Road an. Später komme ich auf der CR-99S erst nach Sedan und kurz nach
Chautaqua (fr. Warmwasser) überquere ich die Grenze nach Oklahoma. Bald erreiche ich den Whasha-She St.P. am Hula Lake. Ein Platz ohne Office, ohne Kosten? Kann
es sein, weil er auf der Osage Reservation liegt? Aus gut sechs Meter über dem Wasser genieße ich den Blick über den See. In der Ferne, aus der ich kam, ein Gewitter.
Oklahoma Juni
2.
Es ist stark bedeckt und es geht ein kühler Wind. Nach einer längeren Ruhe beschließe ich zu bleiben und eine längere Wanderung am See
zu machen. Dann folgt ein 45mi Autotrip durch die Gegend. Am Abend bekomme ich erst Besuch von einem Gürteltier, dann zieht an der Klippenkante ein Stinktier vorbei.
OK
Juni 3. - 4.
Samstag füllt sich der Platz, aber niemand rückt mir auf die Pelle. Ich faulenze auch noch am Sonntag; an dem kommt ein Parkranger
vorbei und ich zahle für zwei Nächte 14 $. Der Samstag war angenehm, Sonntagabend ziehen Gewitter auf, es wird eine Autonacht.
OK
Juni 5. - 9.
On the Road (OtR). Bei der ersten Pause werde ich von einem jungen Pärchen nach meiner Reise (wg. Georgia-Nummernschild) befragt. Die geht zur Zeit
nach Süden aber auch gefühlt leicht rückwärts nach Osten. Mein Ziel ist Tahlequah der Sitz der Cherokee-Nation. Morgen mehr. Overnight im Cookson St.P.
6. Auf einer dreieckigen Rundreise komme ich durch Marble City (tatsächlich mit Marmorgruben) und
Vian. Zurück in Tahle-quah besuche ich das Tsa-La-Gi Museum und mache einen Rundgang durch den lebendig gestalteten Siedlungsnachbau mit Vorführungen von Nutz- und
Schmuckobjekten. Als erste Frau hatte dort Wilma Mankiller (> Wiki) ihren Amtssitz über mehrere Perioden. Es geht weiter nach Westen. Aus dem tollen Sender National
Public Radio NPR Erinnerungen an die Landung der Alliierten in der Normandie (D-Day). In Muskogee habe ich schon den Arkansas River überquert.
In Slick wird getankt, in Bristow kreuze ich wieder die Route 66. Und in Shamrock lasse ich mir von Harold Harington etwas über den Ort
und seine irischen Straßennamen erzählen. Seine gut achtzigjährige Schwiegermutter erzählt vom St. Patrick’s Day und Pflanzen, ein Kolibri sirrt ganz nah im Baum. – 5 Meilen nordwärts nach
Drumright geht es scharf links nach Cushing und zum ersten Mal über den Cimmaron River. Am Abend steht mein Zelt im hohen Gras neben einem Weidezaun.
»Ich hänge meine Gedanken in den weiten Oklahoma-Nachthimmel, als eine mächtige Sternschnuppe ihre grünliche Bahn von Ost nach West zieht.«
7. Ein kurzer Aufenthalt in Stillwater »Chevrolet Auto-Clinic«. Auf meine Frage: „Ob an dem Lumina jemals eine Hupe verbaut worden sei“, bekomme ich die geschniegelte Antwort: „Haben oder möchten Sie einen Termin buchen?“ Das treibt mich auf die meilenlange, schnurgerade CR-51W. Das GPS zeigt mir eine stetige Steigung der Höhenlage an. Okenee scheint interessant. So schnüffel ich erst länger in der Library umher, dann schaue ich von außen auf das Haus vom Veterananclub, davor eine Haubitze, daneben das Siedlerhaus von 1855. Am Canton Lake St.P. wähle ich den kostenlosen Primitive Campground mit Sandstrand. Nach einem erfrischenden Bad und kaltem Essen mache ich ein wärmendes Lagerfeuer. Die Luft ist warm genug, um nur im Gaze-Innenzelt zu schlafen.
8. Heute 7 Uhr mein gängiges, die Reihenfolge wechselndes Morgenritual: Ankommen, Waschen, Frühstück, Zähneputzen, Rasieren, Aufräumen, Packen und Routenplanung. Ein Urlaubs-vormittag mit schwimmen, dösen und Lieblingsmusik von der Mini-Disc, Teil 1: Beethoven, Klavierkonzert Nr. 5, Es-Dur, Otto Klemperer dirigiert, David Barenboim spielt. Bei der Abfahrt die Beatles: Here Comes the Sun. Mit 30mph auf einer frei gewählten Dirt Road flitzt plötzlich ein Roadrunner von links nach rechts. Beethoven 2. Teil beim Fahren. Über Seiling nach Woodward, dort in die Library. Lese über den Roadrunner und den Scissortailed Flycatcher. Nah an der Grenze zu Kansas entdecke ich den Namen Lookout, aber finde nirgends einen Ort gleichen Namens.
Eine Hütte im Nirgendwo lockte mich zurück und nun stehe ich vor dem alten Coy School House. An der Seite im hohen Gras, ein verwit-tertes Kinder-karussell, eine Pumpe und ein zerfallendes Klohaus. Gegenüber ein paar Grabsteine. Das Schloss ist nur übergehängt und so trete ich ein. Ein dunkler Flur. Hinter dem schmalen Garde-robenraum das Klassenzimmer. Auf der Tafel die letzten Einträge: einige Frauennamen und das Datum May 7th 2000! Mobiliar sind drei Küchen- ein Campingtisch und drei alte Sofas. Ich fühle mich willkommen und suche mir später das beste Sofa zum Schafen aus. Am Abend sitze ich auf der Betonstufe vor der Hütte und sehe in die Landschaft: Wenig schön, viele Felder von Stacheldraht umzäunt. Sehr schön im Westen der Himmel: orange bis cyan – im Osten ein Spektrum von blau bis anthrazit. Nachts klappert gelegentlich ein Blech im Fenster, wo früher eine Scheibe war.
9. Die Sonne weckt mich; ich inspiziere weiter den Raum. Das Klavier gibt nur noch einen Ton her. Auf einem der 15 Stühle liegt ein Reunion-Zettel vom 7. Mai, ich lege meine Visitenkarte dazu, die noch ohne Email-Adresse ist (kommt erst in 2002). Dann umrunde ich wieder die Umgebung. Ein älteres Nachbar-pärchen hält für einen Schwätz. Erst um 12:30 sitze ich am Lenkrad. Auf einer Dirt Road komme ich zu einem Dead End am Cimarron. … (OT) »Wieder bin ich in der Salbei-Dünenland-schaft und zehn Meilen hinter Laverne zeigt mir das GPS, dass ich auf dem 100. Längengrad West angekommen bin. Hier fängt der „Pfannenstiel“ von Oklahoma an.« Über die HollowE0190 erreiche ich Beaver. Im Hardware Shop lasse ich mir einen zweiten Schlüssel für die Heckklappe machen, da sie nur so zu öffnen ist. Das Gespräch danach dauert eine halbe Stunde – ich höre viel über die Borniertheit der US-Amerikaner. OT »Ich erhalte meinen neuen Schlüssel mit der Bemerkung zurück, dass wenn ich auf dem Rückweg durch Beaver komme, würde er sich freuen, mich wieder zu sehen. Ich mich auch.« 10 Meilen auf Dirt Roads bringen mich
zur hölzernen, weiß gestrichenen Anthony Sunday School. Ein mächtiger Zedern-busch versperrt den Eingang, der Gemein-desaal mit Spuren von Vandalismus.. Ein mächtiges, sta-tionäres Gewitter treibt mich zu einer Autonacht. Der Geruch von Salbeizweigen auf beiden Ablagen und der Wind, der sein Lied in den Telefondrähten singt, wiegt mich in den Schlaf.
10. 5:30, ein Vogel zwitschert mich unharmonischer wach.
10°° on the road. Das GPS sagt 833 m.ü.M.. Die Weidezäune verschwinden, Brachen und bewässertes Land nimmt zu. Adams, Optima, Hooker und Straight machen alle weder einen optimalen noch einen straighten Eindruck. Von 1820 bis 1860 zogen hier Ochsen und Pferde die Siedler auf dem St. Fe-Trail durch das Land, dann kam die Eisenbahn. In Boise City bin ich 3.000 Meilen unterwegs, tanke und zelte nach weiteren 30 mi im Black Mesa St.P. auf 1.400 m Höhe. Es wird eine zweigeteilte Gewitternacht, die ich halbe-halbe im Zelt und auf der Rück-bank verbringe. Geregnet hat es nicht.
11. Juni, Sonntag. 10°° der Platz ist leer. Das erste, was mir später am Straßenrand auffällt, ist ein fast zwei Meter langer Saurierknochen. In Kenton stelle ich Golden Horse in den Schatten, sehe mir im Museum Zwanzigerjahre-Trödel an und Wechsel die Straßenseite ins Kenton Merc. Allan Griggs ist der Besitzer und er hat die besseren Ausstellungsstücke, aber auch Lebensmittel, Icecream und schenkt einen guten Kaffee aus. Wir schwätzen. Ich fahre zu den Saurierspuren und ans 3-Staaten-Eck: NM, OK, CO. Als ich Kenton verlasse, bin ich in einer neuen Zeitzone, in New Mexico und werde von einem gewal-tigen Regenguss und der Mesa Wedding Cake empfangen. Auf der Dirt Road 456W begleitet mich rechter Hand der Cimmaron, den ich gelegentlich auch kreuze, genauso wie quer im Boden liegende, dicke Stahlrohre die Cattle Guard, über die sich kein Vieh traut. Dafür steht bald ein Büffel oder Bison gelangweilt auf dem Weg. Auf der anderen Seite halten zwei Pick-ups, deren Fahrer sich unterhalten. Nach zwanzig Minuten ist der Weg frei. Bald bin ich in einer begrünten und bewaldeten Voralpenlandschaft, knapp unter 2000 m.ü.M. OT: »Mit diesem schönen Bild lasse ich mich im Leerlauf nach FOLSOM hinein rollen. Es ist wieder diese unbeschreibliche Mischung aus alt und neu, heil und kaputt, Standard und Eigenwillig, gepflegt und verfallen, dicht gedrängt oder offen. An einer Straßenecke steht ein Fernsehsessel auf einem Schrottberg.« Im Ort stellt sich ein jüngerer Mann als der Pastor vor, neben dessen Kirche ich parke. Ich bekomme die Erlaubnis direkt daneben, unter einer kleinen Akazie, wo spärliches Gras wächst, mein Zelt aufzubauen. OT: »Ich habe Lust auf Abwechselung, schaue über eine Senke zum Zentrum rüber, und sehe eine rote Leuchtreklame auf einem Flachbau FOLSOM INN. Das ist es. Obwohl es nur fünfhundert Meter sind, bin ich schon soweit amerikanisiert, dass ich mich ins Auto setze und um die zwei Blocks kurve.« In der gemütlichen Blockhütte beziehe ich einen Platz an der Bar zwischen fünf bewesteten Cowboys. Mein Nachbar ist Roy Whittenburg, seine Frau Stacey bedient die Theke. Debbie, die Besitzerin schwirrt herum. Roy, sicher mit indianischem Blut, gibt mir Büffelkunde. Wir verabreden uns für Montag und Dienstag. Um Mitternacht bin ich im Zelt. Ein langer Güterzug lässt sein gewaltiges Signalhorn jeweils mehr-fach an den drei Kreuzungen bei der Umrundung von Folsom ertönen.
12. Während ich am Morgen Tagebuch schreibe umrunden Kohlenzüge Folsom. Jeweils zwei km lang, von drei Loks gezogen. Nachmittags besteige ich den Capulin Vulcano (im St.P.) und laufe eine Runde mit Kater (5 Bud) auf dem Kraterrand, und fahre eine Runde durch die Gegend auf vier Hufen. Die Verabredung mit Roy verschiebt sich. Später brutzelt er Bison-fleisch, dass wir vorm Fernseher von Papptellern mit den Fingern essen. Sehr lecker. Gemeinsam mit seinem englischen Freund Danny Wilding (> Wiki.en/Querflöte, interessante Vita),
wir verstehen uns sehr gut. Als ich ins Zelt krieche, hängen am Himmel Wolken wie frisch gewaschene Wäsche.
13. Ich hänge mit Roy herum, er muss immer wieder ans Telefon.
Ich habe eine Stunde Zeit, die ich bei Danny verbringen kann. Mit einem Jump-Start kommen wir los, passieren die Stelle, wo Tage zuvor der Bison genau zwischen uns auf der Dirtroad stand. Noch einmal zehn Meilen, dann treffen wir Charles Hefner auf der Spool Ranch. Wir sitzen auf einer Veranda wie in einem Western – trinken aber kaltes Wasser. 20 Meilen weiter. Die Sonne hat sich geneigt, als wir schließlich zehn Bisons mit Wasser und Ballenheu versorgen. Erst nach zehn Uhr sind wir zurück. Es gab viel Zeit zu reden. Roy bringt die halbwüchsigen Kids zu Bett. Dann geht’s ins fast leere INN. Kurz nach Mitter-nacht ist Feierabend. Roy hat mich eingeladen bei ihm auf dem Sofa zu schlafen, vorher versorgt er mich mit einem Menue aus der Dose: 1. Geräucherte Austern, 2. Sardinen, 3. Würstchen und eine Stange Cracker. Roy schläft im großen Ledersessel.
Wird fortgesetzt
Photos sind meistens von Diapositiven eingescannt.
Head: Atlantic Morning, 50° West, 30° Nord.
An Bord: LONDON SENATOR
Titel: East of Road 87, Hopi Reservation, AZ.
* Historische Hamburg Photos in schwarz-weiß aus den 50er Jahren
meines Vaters JOHN HOLLER finden sich auf der Website von:
*** DTA Deutsches Tagebuch Archiv e.V. – Signatur 3417-1