Die allegorische Deutung der ersten drei Kapitel

 

der Genesis als ein zusammenhängendes Werk

 

 

   Der Mensch ist ein merkwürdig gespaltenes Wesen, einerseits beruft er sich auf seine Ratio, andererseits sucht er dringend nach Erklärungen für das, was mit der Ratio nicht zu erfassen ist. Ein Atheist ist bemüht, für rational nicht vorstellbare Zusammenhänge, gerne die formelhafte Zuschreibung vom „Zufall“ zu benutzen. Dagegen erkennt ein Gottgläubiger in diesen („zufälligen“) Vorgängen eine höhere Macht, die er Gott nennt. Was als eine deutliche Spaltung zwischen diesen zwei Typen von Menschen erscheint, nutzt die Genesis zu zwei sich bedingen-den Seiten einer Medaille. Der Beginn des Alten Testaments spielt mit dieser Paradoxie: Aus einem vermeintlichen Körper (Ur-Adam, substanzlos) wird mittels göttlichem Geist ein neuer Körper entnommen. Diesem jetzt realen Körper gibt der Ur-Geist-Adam (hebr. Mensch) den Namen Eva (Leben). Wiederum ist es der Körper – Eva reicht die Frucht an Adam – der den Geist erweckt und beide als eine Einheit in das individuelle Auf-Leben treten können (Ambivalenz).

   In der Realität beschreibt Genesis 3, einerseits die geistige Verwirrung in der Pubertät, gleich-zeitig auch die einsetzende Fruchtbarkeit im Körper von beiden, der Frau und dem Mann.
   Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit wollten der oder die Redaktoren diese zwei sich bedingen-den Seiten in der Genesis erfassen, als sie die rationale Seite in der Allegorie verborgen haben

– oder verbergen mussten? Denn ebenso wahrscheinlich gab es einen anhaltenden Disput zwischen hellenistisch-jüdisch-rationalen und den orientalisch-rabbinischen Priestern. Dieser Disput ist immer noch aktuell, denn eine Auslegung mit allegorischen Aspekten des rational angelegten Hintergrundes scheint verpönt zu sein. Ein Panoramablick über die Verse sagt hier wohl mehr aus, als die Suche mit einer Lupe. Die Lupe ist gut für die Widersprüche.

 

  Wie unter dem Header THEMEN bereits gesagt, beruhen alle Vorkommnisse in unserem Universum auf dem Gegensatz zwischen zwei Polen. Dazwischen herrscht ein Binden oder Trennen, die eine gerichtete Bewegung oder ein Pulsieren verursachen. Auch die ersten drei Kapitel der Genesis sind davon durchzogen. Allerdings gibt es in der Interpretation wieder die Möglichkeit eine Gegensätzlichkeit abzuleiten, von denen jede für sich eine Gültigkeit bean-spruchen kann (Antinomie). In der christlich religiösen Interpretation beherrscht ein „Sündenfall“ das Geschehen. Dabei übersieht diese Auslegung das ganz natürliche Prozesse des mensch-lichen Werdens und Seins in den Versen verborgen sind. Vielleicht war es Absicht, bei rationaler Betrachtung, die Beschreibung von den zwei Daseins-Formen des Mensch-Seins in den ersten zwei Kapiteln zu übersehen: Unseren Geist (Gen 1) und unseren Körper (Gen 2). Unser Geist verbirgt sich im ersten Kapitel hinter einer formalen Struktur. Im zweiten Kapitel (dem älteren Mythos) wird im übertragenen Sinne erzählt, wie aus körperlicher Liebe ein Kind entsteht, und

in eine Familie geboren wird. Hat diese Eva (hebr. Leben), die Pubertät (Sinnbild der Reife einer Frucht) erreicht, geraten ihre Sinne in eine neue Stimmung, die zu ihrem inneren Gespräch mit einer symbolischen Schlange führt. Von Adam ("Geist") wird dies nachvollzogen. Bei beiden verändern sich körperliche Merkmale, ihnen wachsen an neuen Körperstellen Haare ("… Gott … bekleidete sie mit Fellen". Gen 3,21). Die Zeit des Schutzes durch die Familie ("Garten von Eden") geht zuende (Vertreibung). Ihre jeweils (m/f) eigenen Sinne sind jetzt geöffnet und bereit für den „bewachten“ (Kerubim, Engel), eigenständigen Weg in ihr individuelles Leben. Dazu können sie ihren "flammend-scharfen" Verstand nutzen. Es ist eine Erzählung an deren Ende der Kreislauf von vorne, in einem ewigen Leben beginnen kann. 


Genesis 1

   Heute steht in Bibeln über dem  Kapitel entweder die Überschrift

 

          Die Schöpfung     oder 

       Die Erschaffung der Welt.

 

 Beides täuscht über den Inhalt – und Überschriften hat es zu Luthers Zeiten und niemals davor gegeben.

  An "Tagen", aber nur in deren

Nacht-hälfte, erschafft Gott durch sein Licht und seine Sprache (Blitz & Donner) virtuelle Objekte, die für die Einschreibung von Potentialen des Geistes stehen, die im Dunkel unseres Körpers verankert werden.

 

Die klarste Überschrift wäre

          Die menschliche Psyche

 

Genesis 2

   In vielen Bibeln gibt es eine Über-schrift vom 2. Kapitel die lautet:

 

                Das Paradies 

 

   Darin gibt es aber verschiedene Dinge, die nicht in ein Paradies gehören. Beispiele: 1. Ein vergifteter Baum. 2. Den Ackerboden zu bebauen und hüten. Die Entwicklung eines leiblichen Menschen durch Gottes Atem steht jetzt im Mittelpunkt der Erzählung. Seine körperliche Entwicklung wird erkennbar, die den Ablauf zwischen Zeugung und Geburt beschreibt.

 

Die beste Überschrift wäre 
Von der Zeugung zur Geburt

 

Genesis 3

 

   Zwei verschiedene Überschriften sind heute in Bibeln zu finden:

 

   Der Fall des Menschen oder kurz

                 Der Sündenfall.

 

   Beide Überschriften beihalten eine angebliche Übertretung, von dem bei genauerer Betrachtung nicht viel übrig bleibt. Sei es Eva oder Adam, beiden müssen nach dem Essen von einer reifen Frucht die Augen für neue Wahrnehmungen aufgehen. Sie erkennen jetzt ihr verändertes Bewusstsein in der Pubertät und sind selber fruchtbar geworden.

 

Essenz vom Frucht-Fleisch wäre 

Die Bewusstwerdung des Menschen