GENESIS

DIE STRUKTUR – EIN MYTHOS – DIALOGE

  So könnten die 3 Überschriften der ersten Kapitel der Tora/Genesis lauten. Sie sollten ent-gegen vielen Ansichten als eine fortlaufende Einheit gesehen werden.

 

 Genesis 1 enthält eine Struktur aus 6 Tagen, obwohl, wenn man das Ende genau liest, nur die Nachtstunden relevant sind: „Es wurde Abend und es wurde Morgen“. Der jüdische Tag beginnt mit dem Sonnenuntergang. In der sechsten Nacht werden Mann und Frau zu Abbildern Gottes.

 

  Genesis 2 beruht auf einem abgewandelten sehr viel älteren Mythos (Gilgamesch Epos?), die den jüngeren Versen von Genesis 1 in vielerlei Hinsicht angepasst wurden. Ein Mann wird in einen Garten (kein Paradies!) gesetzt, schläft ein und aus seiner Rippe wird eine Frau.


   Genesis 3 wird „persönlich“: Überraschend beginnt eine Schlange einen Dialog mit einer Frau, die gibt eine "verbotene Frucht" an den Mann weiter; auch der spricht danach. Dann kommt Gott hinzu und dann sprechen sie hin und her über ihre unterschiedlichen Erkenntnisse. Im Vers 21 werden Mann und Frau „mit Fellen“ bekleidet.

   Ab dem 22. Vers wird Gott unpersönlich, spricht zu sich selbst im Plural; und sinniert nur über einen Menschen. Damit haben eindeutig kein Paar, bestehend aus Adam & Eva, am Ende den Schutz des Gartens (der Familie) zu verlassen!
                          Alle Begründung finden Sie hier: GENESIS 1, GENESIS 2, GENESIS 3.

 

   Überhaupt handeln die drei Kapitel nicht von einer Erschaffung des Universums, der Erde mit ihren Pflanzen und Tieren und zweimal zu schöpfenden Menschen (Genesis 1/2). Hinter diesen Tagen, Erscheinungen und Dingen verbergen sich Bilder oder Metaphern, die dazu dienen das menschliche Wesen und seine vielen zu entwickelnden Eigenschaften in einer poetischen Form erzählbar zu machen. Zunächst soll aber das Umfeld der Entstehung beleuchtet werden.

 

RAUM - ZEIT - HINTERGRÜNDE

 

  GENESIS, griechisch, bedeutet Ursprung, Entstehung oder Geburt. Sie ist wortgetreu aus der  TORA, hebräisch, hervorgegangen, aber Tora heißt Lehre, Unterweisung; ein wesentlicher Unter-schied im Sinnzusammenhang. Bei einer genaueren Betrachtung muss dem Raum und der Zeit ihrer lange Entstehungsgeschichte ebenso Aufmerksamkeit entgegengebracht werden. In Raum und Zeit gab es jeweils Verbindungen, die von vielen Überschneidungen geprägt waren. Als Raum sind mehrere Länder und Kulturen am östlichen Rand des Mittelmeeres von Bedeutung. Die Zeit kreativer Sprünge in der Entwicklungen der Menschheit gab es sicherlich schon von Anbeginn, verdichtete sich dann in einer langjährigen Periode, die ab etwa 600 vor unserer Zeitrechnung begann und dabei zunächst bis um das Jahr 200 bzw. 300 nach der Zeitenwende anhielt. In diesem Raum und dieser Zeit sind mit ziemlicher Sicherheit viele Grundlagen für die Texte der Tora/Genesis geschaffen worden. Eine verbindende Sprache war länderübergreifend zumeist Griechisch. Der Philosoph Karl Jaspers nennt es die Achsenzeit.
   In beiden Fällen, der geistigen und "naturwissenschaftlichen" Entwicklung, finden sich nicht viele Zeugnisse, die auf einen Ursprung in Jerusalem hinweisen. Aber auf Grund der Mittellage und Verbindungen in alle Richtungen, sind alle Einflüsse, die sie auf die Tora gehabt haben, mit Sicherheit von immenser Bedeutung gewesen. Diese Hintergründe aus natürlichen physika-lischen und mathematischen Beobachtungen etc. werden bei genauerer Betrachtung der Texte immer wieder durchscheinen. Das, worauf die geistige "Elite" der Israelis ein besonderes, offensichtliches Augenmerk legte, war die Beziehung zwischen Gott und den Menschen.

Die Raum- und Zeiteinflüsse zeigen die zwei folgenden Abbildungen. Zunächst die "Mittellage" von Jerusalem, auch wenn es eine Randlage etwas abseits vom Mittelmeer war.

 

   Die genannten Sachbereiche/Wissen in der Abbildung gelten beispielhaft und könnten noch erweitert werden.


   Als ein Beispiel, sowohl für Raum- als auch Zeit-Austausch, kann die Zeit des "Babylonischen Exils" und deren Folgen genannt werden. Eine schriftliche Urform der Tora, die ihren Ursprung in Persien, durch den jüdischen Priester ESRA erhalten haben soll, wird durch ihn, 458 vor unserer Zeitrechnung, in Jerusalem in hebräischer Sprache fortgeführt. Der Einfluss der griechischen Philosophie von den Vorsokratikern, über die Klassik, bis zu den hellenistischen Philosophen scheint bei den hier zugrunde gelegten Annahmen unübersehbar zu sein. Dies wird in der verborgenen Logik von Genesis 1 besonders deutlich. Wer an der Geschichte der Niederschriften der Tora interessiert ist, hat die Auswahl, beispielsweise in Wikipedia unter

den drei Stichwörtern:

 

TalmudMischnaGemara

 

   Was nie vergessen werden darf ist die Tatsache, dass zur Zeit der letzten, zeitlich unbekannten Niederschrift der Tora das Bemühen menschliches Leben zu verstehen schon seit Jahrtausenden vonstatten gegangen war. Die jüdische Bibel wird daher wohl auch keine Texte enthalten, von denen man annehmen muss, sie wurden von einem Gott selbst geschrieben.

 


Ein prinzipieller Aufbau der Genesis

 

 

 

 

   Ein durchgängiges Merkmal ist nicht nur in allen drei Kapiteln der Genesis festzustellen; es ist die Berücksichtigung von einem Prinzip, dass sowohl in der Natur, dem physischen Universum, als auch im Menschen und zwischen ihnen wirkt. Es sind gegensätzliche Kräfte, die zwar oft als trennende Polaritäten wahrgenommen werden, aber die wie die zwei Seiten einer Medaille doch zusammengehören. In der Genesis  folgt es oft dem Prinzip: Denn wo Licht ist, ist auch Schatten. Dieses Prinzip gilt dann natürlich auch in den Rubriken für

die Kabbala und die Karten des Ancien Tarot.


Alle drei Kapitel folgen somit fast ausschließlich rationalen Überlegungen, denn darauf bauen sie auf, manchmal in poetischer Fassung und Verklärung. Bei genauer Betrachtung lassen die Verse der Genesis aber keinen religiösen Hinter-grund erkennen.