Genesis - kapitel 3

 

   Bevor der Inhalt von den Kapiteln 2 und 3 der Genesis offengelegt wurde,

war zunächst ihre Struktur zu beachten, zu analysieren und zu vergleichen.

Genesis 3 unterscheidet sich in der Struktur wieder deutlich vom ersten und zweiten Kapitel.

Genesis 1 diente einer Vorbereitung mittels einer abstrakten Wochengeschichte. In Genesis 2 werden Dinge, das heisst, Objekte geformt, sie nehmen Gestalt an. Genesis 3 wird geprägt von Dialogen. Sachverhalte werden auf einer

intellektuellen Ebene abgehandelt. Die ersten Sätze in Genesis 3 lauten:

"Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: ..."

   Wenn behauptet wurde, dass Genesis 2 den paradiesischen Zustand im Mutter-leib abhandelte, muss das dritte Kapitel der Genesis sich zwangsläufig mit dem befassen, was es bedeutet ein irdisches Leben nach der Geburt zu führen. Da aber Individuen mit einer Selbst-Verantwortung geschaffen wurden, liegt es in der "Hand" jedes einzelnen Menschen wie dies vonstatten gehen wird. Dieser, daher uneinsichtbare Weg, wird später in Kabbala und Tarot eine Rolle spielen.



 

 

HINWEISE:

 

 

 

 

Die Schlange auf dem Erdboden ein Symbol sowohl der Lebensnähe als auch der Erneuerung (Häutung) >

 

 

 

 

 

 

Jetzt endlich: Adam und EVA >

 

 

 

 

 

 

 

 

Geist und Materie >

 

 

 

 

 

 

Gottes Schutz in der Wirklichkeit >

 

 

 

 

 

 

 

 

 


EINFÜHRUNG

   Es gibt verschieden Überschriften in Bibeln, die irgendwann in neuerer Zeit entstanden sein dürften. Weder in der hebräischen Tora noch bei Luther hat es das gegeben. Zwei Beispiele: die kurze Fassung lautet "Der Sündenfall", die längere "Der Fall des Menschen". Beide Überschriften führen total in die Irre. 

 

   GENESIS 3: Die Schlange, die von Gott geschaffen wurde und eingangs zu dem Menschenpaar spricht, wird auch die "augenöffnende Klugheit" genannt. Die Schlange spricht in 3, 5 "Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon eßt, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse". Nachdem die Beiden nun von der Frucht gegessen hatten und Gott dies durch die von Adam offen-barte Nacktheit (=Unschuld!) erkennt, wird die Schlange verflucht (3, 14). Adam und seine Frau werden daraufhin mit Aufgaben ihres kommenden weltlichen Lebens belastet. Verflucht wird, wie die Schlange der Ackerboden (3, 17), weil er der gleiche Urgrund für materielles Verlangen ist.

   Der besonders beachtenswerte Satz folgt nun (3, 20) als Ádám (hebr. allgemein für Mensch) das erste Mal seine Frau Eva (hebr. Chawwa) nennt, "denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen". Der Name fiel vorher nicht und wird nachher auch nicht wieder fallen! Die Mutter aller Lebendigen meint hier nichts anderes, als dass der "Name" Eva hier dem Sinne nach als Begriff gebraucht wird, so wie Adam - allgemein der  Begriff "Mensch" - an dieser Stelle die entscheidende Belebung (Eva=Belebung) seines individuellen Selbst verspürt. Diese kurze Sequenz muss in der Form verstanden wissen, dass kreuzweise der genannte Adam = Mann oder Frau sein kann, die weibliche Belebung=Eva sowohl dem Körper (Geburt) als auch dem Geist zuteil werden kann.

   Es ist für unser Denken, aus unserer Kultur, mit Schwierigkeiten verbunden, dass aus der genannten Verwendung Geist = männlich, Materie = weiblich,

unterschiedliche Wertvorstellungen entstanden sind. Dies gibt Genesis 1 bis 3 (hebr. Bereschit) nicht her. Das eine kann ohne das andere nicht existieren.

 

   Gott straft nicht! Er entlässt den Menschen als sein Abbild und als Gleichnis erst in die Lebenswirklichkeit nachdem er ihn mit Schutzmarkern versehen hat. Für den Körper bekleidete er sie mit Röcken aus Fellen. Er spricht zu dem Mensch'en im Plural (Geworden "wie wir") sie erkennen Gut und Böse. Gott warnt vor den Früchten vom Baum des ewigen Lebens (warnt er wirklich, oder soll die Versuch-ung wieder grösser sein?). Er soll den Ackerboden bestellen ... und Früchte ernten.

Gott vertreibt (meint den Nachdruck es selbst zu wollen) den/die Mensch'en und stellte Kerubim und das lodernde Flammenschwert an den Rückweg zum Garten Eden und zum Baum des Lebens. Kerubim sind erdnahe, stiergesichtige Engel-wesen und hinter dem lodernden Flammenschwert verbirgt sich (siehe Genesis 1) das spirituelle Element Luft (lodern) in Verbindung mit dem scharfen Verstand (Schwert = scharf  und blitzend & Flamme = Element Feuer=Verstand).

   Dieser vertriebene Mensch ist gerüstet und sein Geist wird ihn tragen.


Resümee

   In der denkwürdig doppelten Erschaffung des Menschen in Genesis 1 und 2 steckt ein Hinweis auf die späte Autorenschaft, bei der der jüngere Teil vor den älteren gestellt wurde. Denn es ist anzunehmen, dass die Mythe von einem Menschenpaar, welches sicher noch nicht Adam und Eva hieß, etwa doppelt so alt wie die Legende um Mose sein dürfte. Diese Mythe kann somit im Laufe der Jahrhunderte vielerlei Ausprägungen erfahren haben. So wie die Mythe in Tora und Bibel steht, ist ihr Sinn und Zweck ziemlich klar derjenige, wie er hier

eingebettet in drei Kapitel vorgestellt wird

   Es müsste doch nachvollziehbar sein, dass dieser hier aufgezeigte, ziemlich klare und eindeutige Weg durch die ersten drei Kapitel der Genesis, die

Gedankengänge der Forscher und Autoren, die ein Bild des Menschen nachzeichnen wollten nicht so abwegig sein dürfte. Noch heute benutzen wir, wenn es unübersichtlich wird, zunächst Kategorien, beispielsweise zeitlicher und räumlicher Art um Teilaspekte besser sichtbar werden zu lassen. Dies gilt dann im gleichen Maße auch für den Menschen. Der Mensch ist nicht, er wird. Aus der Ei- und der Samenzelle entsteht ein Embryo, nach der Geburt nennen wir es Baby, es wächst zum Kleinkind, zum Kind, Teenager und Twen; dann sollte eine lange Phase des Erwachsen-Seins folgen, bis der Mensch zum Greis oder der Greisin wird. Mit dem körperlichen Wachsen, der Entwicklung des Menschen sollte auch sein Bewusstsein oder sein Geist wachsen.

   Genesis 3 strahlt etwas aus, was sich als der Zeitrahmen der Pubertät

bezeichnen liesse. Ein kleiner Zeitabschnitt, oft rebellisch, der doch den Beginn einer "wirk-lichen" Abnabelung von den Eltern bedeutet.

   Ein Dreh- und Angelpunkt in Genesis 2 und 3 ist die viermalige Erwähnung des Guten und Bösen. In Genesis 3, 22 sprach Gott: "...der Mensch,... er erkennt Gut und Böse". Wenn wir diese Fähigkeit, die "wie in Stein" in uns eingeschrieben ist, in fast jedem winzigen Augenblick in uns wachrufen könnten, dann bräuchten wir mit grosser Wahrscheinlichkeit keinen strafenden Gott mehr, der irgendwo über uns schweben soll.